Guerra e Paz - Nos 100 anos da I Guerra Mundial

Krieg und Frieden - 100 Jahre Erster Weltkrieg

2014-09-01 - por REAL nº 5 - Agosto de 2014

s' ist Krieg! Diese tieftraurig lakonische Anfangszeile aus dem Kriegslied von Matthias Claudius - auch der Titel eines Antikriegsgedichts von Kurt Tucholsky - hat auch 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs nichts von ihrer fürchterlichen Aktualität verloren. Im Erinnerungsjahr der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts stehen aber nicht die aktuellen Konflikte, sondern vor allem Julikrise und Augusterlebnis oder der Geist von 1914 im Mittelpunkt zahlreicher Veröffentlichungen.

Die fünfte Ausgabe der REAL ist neueren Beiträgen gewidmet, die sich aus germanistischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive mit Literatur und Literaten, Künstlern und Intellektuellen aus der Zeit vor und nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs beschäftigen. In ihrem Beitrag Zwischen unio mystica und grenzenlosem Elend zeigt Angelika Straubenmüller anhand der bisher wenig beachteten Paracelsus-Trilogie (1917-1925) von E. G. Kolbenheyer die Ambivalenz zwischen Kriegseuphorie und den gesellschaftlichen Konsequenzen dieses Massensterbens.

Wie von Krieg und Anti-Krieg erzählt wird, davon handeln die Beiträge von Romina Seefried über das heute fast vergessene Werk des Alexander Moritz Frey, der Beitrag von Tobias Gnüchtel über den Großroman der Zwischenkriegszeit und  der von Konstantin Schumann über Siegried Kracauers ersten, 1928 erschienenen Roman Ginster.

Der Figur des Kriegsheimkehrers im Großstadtroman der Nachkriegszeit widmet sich Jonas Nesselhauf u.a. bei Remarque, Roth, Döblin und Fallada.

Frank Wedekinds nach Kriegsausbruch gehaltene Rede Deutschland bringt die Freiheit gilt zumeist als opportunistisch und nationalistisch. Hartmut Vinçons historische Einordnung dieses Vortrags zeigt Wedekind dennoch als das, was er vor allem war: ein pazifistischer Utopist und politischer Satiriker.

Kriegszeiten verlangen nach patriotischer Gleichschaltung. Anhand des Revuetheaters in Berlin und Lissabon zeigt Eva Krivanec wie das Berliner Revuetheater der eingeforderten Euphorie entsprach, das Lissabonner aber sich durchaus seine kritische Distanz bewahrte.

Die Schwierigkeiten oder gar das Scheitern des kosmopolitisches Blicks angesichts nationalistischer Hybris beschreibt Anne Martina Emonts  am Beispiel des deutschen Botschafters Karl Max Lichnowsky (1860-1928) und seiner Frau, der Schriftstellerin Mechtilde Lichnowsky.

Dem Frieden gelten die letzten zwei thematischen Beiträge, die  Friedensdiskurse in der neueren deutschsprachigen Literatur von Messan Tossa und die Frage von Teresa M. L. R. Cadete nach einer Friedenskultur aus dem Geist des Krieges.

Der Beitrag von Ana Maria Delgado über Woody Allen und E.T.A. Hoffmann gehört nicht zum Themenkreis dieser Ausgabe, wir freuen uns aber dennoch, ihn hier abdrucken zu können und so dieser Ausgabe der REAL einen trotz alledem gewissermaßen romantisch versöhnlichen Ausgang zu verleihen.

Die Redaktion möchte sich sehr herzlich bei den Gutachtern dieser Ausgabe für ihre Mitarbeit bedanken: António Sousa Ribeiro (Coimbra) Dagmar von Hoff (Mainz); Filomena Viana Guarda (Lissabon); Gonçalo Vilas Boas (Porto); Henry Thorau (Trier); Jochen Hörisch (Mannheim); Peter Hanenberg (Lissabon).

 

Teresa Seruya

Gerd Hammer

 

Topo