Deutsch in der multilingualen Gesellschaft --- O alemão na sociedade multilingue

O alemão na sociedade multilingue - Deutsch in der multilingualen Gesellschaft

2016-04-15 - por Revista de Estudos Alemães

Die multilinguale Gesellschaft ist längst schon keine bloße Utopie mehr, in vielen Teilen Europas und der Welt existiert sie bereits oder bildet sich immer stärker heraus. In unserer sechsten Ausgabe der REAL haben wir uns dieses Themas angenommen und es von unterschiedlichen Blickwinkeln und germanistischen Perspektiven aus betrachtet.

Den Auftakt bildet Bernd Sieberg mit einer ausführlichen Analyse und Würdigung des Buchs “MultikultiDeutsch” von Uwe Hinrichs, eine der interessantesten Publikationen der letzten Jahre über die Sprachentwicklung des Deutschen.

Cristina Flores und Esther Rinke widmen sich in ihrem Beitrag der Herkunftssprache und der Mehrsprachigkeit anhand von neueren Studien über den Erwerb des Portugiesischen in Deutschland. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der “Beschreibung und Erklärung der Besonderheiten der Sprachkompetenz von bilingualen Herkunftssprechern”.

„Hunsrückischen“ oder „Deitsch“ sind eine Minderheitensprachvariante im Süden Brasiliens, gesprochen von Nachkommen deutscher Einwanderer. In ihrer soziolinguistischen Studie beschreiben Marcelo Jacó Krug und Cristiana Horst dieses Phänomen sowie die wechselseitige Beeinflussung dieser Variante des Deutschen mit der Amtssprache Portugiesisch.

Anna Kim wurde in Südkorea geboren und kam im Alter von zwei Jahren nach Deutschland. Ihre 2004 erschienene Erzählung “Die Bilderspur” nimmt Antonella Cantone zum Anlass ihres Beitrags über exophone Literatur und Konzepte einer hybriden Sprache und Identität. Gefragt wird dabei nach der Bedeutung von sprachlicher Fremdheit für die Autorin, die Sprache und die Leser.

Peter Hanenberg widmet seinen Beitrag “Deutsch aufgeben” zwei literarischen Texten, die mitten in der aktuellen Flüchtlingsdebatte erschienen sind. Jenny Erpenbeck und Shumona Sinha sind Zeugen dafür, dass die Flüchtlinge zumindest literarisch schon in Europa angekommen sind - und dass es gleichwohl einer enormen Anstrengung der Übersetzung bedarf, um diese Ankunft in lebbares Leben zu verwandeln.

Die gegenwärtigen Migrationsbewegungen und die damit einhergehende Debatte um Integration hat auch erneut die Bedeutung des Fremdsprachenunterricht unterstrichen. Gianlucca Cosentino geht dabei der Frage nach, “inwieweit die neuen Erkenntnisse der Mehrsprachigkeitsforschung sich im Zweitsprachunterricht effizient einsetzen lassen und zur Förderung einer mehrsprachigen Kompetenz beitragen können.”

Zwei Tendenzen der multikulturellen Gesellschaft beschreibt Elcio Loureiro Cornelsen in der deutschen Gegenwartskultur anhand der Kanak Sprak, die einer hegemonialen und vereinnahmenden Kultur und die isolierter, ethnisch getrennter Kulturen. Vielsprachigkeit kann so zu Integration als auch zur Abgrenzung benutzt werden, wie Feridun Zaimoğlu anhand des Worts Kanake gezeigt hat.

Die Redaktion möchte sich sehr herzlich bei den Gutachtern dieser Ausgabe für ihre Mitarbeit bedanken: Teresa Alegre (Aveiro), Teresa Seruya (Lissabon), Ana Bernardo (Lissabon), Bernd Sieberg (Lissabon), Idalete Dias (Braga), Mário Matos (Braga) Orlando Grossegesse (Braga), Thomas Huesgen (Porto).

 

 

 

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